Informationen am Wegesrand
Tafel 1: Willkommen in Olfens Steveraue - eine Landschaft im Wandel
Wasser spielt in der Steveraue ein besondere Rolle. Um den im oder am Wasser lebenden Pflanzen und Tieren geeignet Lebensräume zu schaffen, wurden deshalb seit 2002 verschiedene Baumaßnahmen umgesetzt - einige sind noch in Planung.
So entstanden zeitweise wasserführende Rinnen und Senken am Rande der Aue, ein alter Flussverlauf wurde wieder hergestellt und die Füchtelner Mühle wird zukünftig mit einem Bachlauf umgangen. So können Fische und andere Wasserlebewesen im Fluss wieder auf und ab wandern, ohne an der Mühle in einer Sackgasse stecken zu bleiben.
Es gibt viel zu entdecken in Olfens Steveraue. Wir begleiten Ihre Erkundungstour entlang einer sich wandelnden Landschaft mit verschiedenen Informationstafeln. Sie sollen Ihnen helfen, das Auenland und die darin lebenden neuen und alten Bewohner kennen zu lernen.
Im Zuge der Auenrenaturierung wurde nördlich des Friedhofes ein Stever-Altlauf wieder hergestellt. Direkt nach dem Bau sieht er noch sehr steril aus - schon in 5 bis 10 Jahren können hier üppige Schilfröhrichte und Wasserpflanzen gedeihen. Dann werden auch zahlose Libellen, Amphibien, Fische und Vögel den neuen Lebensraum angenommen haben.
Neben den Weidetieren bleibt auch für kleine Bewohner Platz in der neuen Steveraue.
Blüten sind der Treffpunkt für viele Schmetterlinge - hier zwei Bläulinge
Tafel 2: Auf den Spuren von Leon, Nala und ihren Freunden
Ihnen schmeckt beinahe alles: Ob Gräser, Binsen oder Kräuter - Heckrinder, Konik-Pferde und Esel finden in der sich selbst überlassenen Steveraue genügend Futter. Die Suche danach betreiben sie in getrennten Herden. Eine Zufütterung erfolgt nur im Winter. Auf den neu geschaffenen Weideflächen grasen die beiden Herden ganzjährig, also auch im Winter. Durch das Abfressen der Pflanzen halten sie die Landschaft weitgehend offen. Nur dort, wo wenig geliebtes Futter wächst, werden zunehmend Sträucher und Bäume wachsen. Aber auch die werden nicht gepflanzt, sondern siedeln sich, z.B. durch Samenflug selbst an.
Ein Stall oder Unterstand ist im Westteil der Weideflächen nicht erforderlich - bei schlechtem Wetter ziehen sich die Tiere unter schützende Bäume der vorhandenen Waldflächen zurück. Ihr dichtes Fell lässt sie nicht nur imposant erscheinen, sondern verleiht auch die nötige Widerstandsfähigkeit gegen Kälte.
Genießen Sie ein Stück Landschaft, das sich weitgehend ohne Hinzutun von uns Menschen entwickeln soll.
Bei Hochwasser fliehen die Tiere an die höchsten Stellen im Gelände, beispielsweise an den Auenrand. Die Tiere sind weitgehend sich selbst überlassen.
Zur Gesundheitsvoprsorge werden sie von einem ortsansässigen Landwirt betreut. Die beiden Herden haben sich in den ersten Jahren bereits prächtig vergrößert. So ziehen die Alttiere inzwischen mit zahlreichen Kälbern und Fohlen durch die Steveraue. Sobald zu viele Tiere auf der Fläche sind, werden einige von ihnen, z.B. für Zuchtzwecke, verkauft. Die Rinder werden darüber hinaus zur Rindfleischgewinnung vermarktet. Das hochwertige Fleisch wird im nahe gelegenen Bauenladen des Hofes Schulze-Kökelsum verkauft.
Das Grelskraut: Im Spätsommer taucht es große Flächen in leuchtendes Gold.
Tafel 3: Auen brauchen Hochwasser
Innerhalb weniger Stunden kann sich die Steveraue für den Betrachter völlig verwandeln. Vor allem in den Wintermonaten beherrscht das Hochwasser das Bild. Die Stever tritt natürlicherweise über die Ufer und überschwemmt das angrenzende Land, die Aue. Hier kann das Wasser mehrere Tage bis zu einigen Wochen im Jahr stehen, bevor es wieder abfließt. Das Hochwasser verbindet den Fluss mit dem angrenzenden Land.
An das Kommen und Gehen des Wassers haben sich viele Pflanzen und Tiere der natürlichen Flussaue angepasst. So legen bestimmte Fischarten ihre Eier nicht im Fluss, sondern in lange überfluteten Auenwiesen ab, wo sich dann die Jungfische geschützt entwickeln können. Junge Zweige der direkt am Flussufer wachsenden Weiden sind so biegsam, dass sie sich vom Hochwasser in die Strömungsrichtung biegen lassen, ohne dabei abzubrechen. Diese Eigenschaft von Weidezweigen nutzt der Mensch beim Korbflechten.
Außerdem können Weidenbäume, wenn sie vom Hochwasser sehr lange und hoch überstaut werden, neue Wurzelbüschel am Stamm bilden, um Sauerstoff aus dem Wasser aufzunehmen. So müssen sie nicht "ersticken".
Wo sich das Wasser in tiefer liegenden Mulden sammelt, entstehen kleine Gewässer, die viele faszinierende Pflanzenund Tiere beherbergen können.
Dazu gehören frei schwimmende oder am Schlammufer wurzelnde Blütenpflanzen, geschickt tauchende Molche und Wasserkäfer, laut konzertierende Frösche, Wasserschnecken oder farbenprächtige, pfeilschnell umherfliegende Libellen, die am Ufer Paarungspartnern suchen.
Mit der Wiederherstellung solcher Mulden und Senden in der Steveraue, z.b. nördlich des Friedhofes, wurde eine neue Heimat für derartige Naturschönheiten geschaffen.
Tafel 4: Auen als Wasserspeicher!
Die Flächen entlang eines Flusses, die vom Hochwasser erreicht werden können, werden als Flussaue bezeichnet.
Dort breiten sich die Wassermengen aus, die bei Hochwasser nicht mehr allein im Flussbett transportiert werden können. Auen sind daher natürliche Hochwasserrückhalteräume, von denen aus das Hochwasser sehr langsam in den Fluss zurückfließt und teilweise durch Versickerung, vom Boden gefiltert, auch dem Grundwasser zugeführt wird.
Hochwasser ist ein natürlicher Vorgang, der in der Natur keine dauerhaften Schäden verursacht. Im Gegenteil. Die Kraft des Wassers sorgt im Fluss und in der Aue für einen ständigen Wechsel der Lebensbedingungen. An einer Stelle wird Boden- oder Pflanzenbewuchs vom Wasser abgetragen, an anderer Stelle wieder abgelagert.
Waldauenwälder gehören deutschlandweit zu den seltensten Lebensräumen. Bei Hochwasser bremsen sie die Abflussgeschwindigkeit und sind somit wirkungsvolle Hochwasserspeicher.
Lange überflutete Auenweisen, Schilf und Riedflächen sind die Kinderstube vieler Fische, die als ausgewachsene Tiere im Fluss leben. Solche flachen, langsam wieder austrocknenden Gewässer beherbergen zudem zahlreiche weitere Auenbewohner wie Amphibien und Libellen.
Hochwasserschäden werden nur dort verursacht, wo wir Menschen zu nah am Fluss Häuser, Straßen oder Gewerbeflächen gebaut haben.
Bei fehlendem oder unzureichendem technischen Hochwasserschutz. z.B. Schutzdeichen, kann es dann zu enormen Schäden für Menschen und Sachgüter kommen. Jüngste Beispiele sind das Elbe-Hochwasser von 2002 oder die Hochwasserereignisse am Alpenrand von 2005.
Umso wichtiger ist es daher, die natürlichen Überschwemmungsgebiete, also die Auen, von empfindlichen Bebauungen frei zu halten, so wie dies im Bereich der Steveraue Olfens in der Vergangenheit geschehen ist. Die Wohn- und Gewerbeflächen liegen außerhalb der Aue auf dem höher gelegenen Gelände.
Die Karte zeigt das "gesetzliche Überschwemmungsgebiet" der Stever in Olfen. Die schraffierten Flächen markieren die Bereiche der Steveraue, die bei einem Hochwasser überflutet werden, das in diesem Ausmaß statistisch 1 x in hundert Jahren auftritt.
Das Hochwasser hinterlässt Tümpel und lagert mitgeführten Sand, Zweige, Äste, Stauden- und Gräserstempel in der Aue ab. Die vom Hochwasser geschaffenen Tümpel und Ablagerungen werden sofort von unzähligen Kleintieren besiedelt.
Tafel 5: Die Aue lebt von ständiger Veränderung
Mit dem Wasser der Stever wird bei Hochwasser vor allem Sand, aber auch Lehm und Kies transportiert.
Dieses vom Fluß oder von seinen zufliessenden Bächen abgetragene Material wird mit dem Hochwasser in die Aue gespült und nach "Korngrößen" sortiert, am Ufer oder in der Aue z.B. als Sandbank abgelegt.
Im Sommer können diese Sandbänke bei voller Sonnenbestrahlung zu trockenheißen Flächen werden. Ein Idealer Ort für die Wärme liebenden Zauneidechsen, die dort ihre Eier ablegen. Ausgebrütet werden sie dann von der Sonne.
Auf den trockenheißen sandigen Bpöden einer Aue wachsen aber auch blütenreiche, bunte Trockenrasen, Pflanzengemeinschaften, die mit wenig Nähsrtoffen und wenig Wasser überleben können haben hier ihr Zuhause.
Ein Augenschmaus für den Betrachter und gleichzeitig ein reich gedeckter Tisch, wenn Schmetterlinge, wie z:b: Blälulingsarten hier auf der Suche nach köstlichem Nektar sind.
Auf den entstehenden Stever-Sandbänken könnte ich bald auch wieder die prächtige Zauneidechse ansiedeln. Die vom Weibchen im Sand vergrabenen Eier werden von der Sonne ausgebrütet.
Das Hochwasser formt die Bodenoberfläche der Aue
An den tiefsten Geländepunkten findet sich im Jahresverlauf meist ein stark schwankender Wasserspiegel. Das Wasser bildet hier am Flussufer, in verlandeten Altläufen des Flusses, am tief liegenden Auenrand oder innerhalb von Hochflutrinnen Lebensräume aus, deren Pflanzen und Tiere oftmals direkt vom Wasser abhängig sind. Beispiele sind Auenwälder und Röhrrichte, Sümpfe und Tiere oftmals direkt vom Wasser abhängig. Sind.
Beispiele sind Auenwälder und Röhrichte, Sümpfe oder die Wasserpflanzenbestände in Weihern und Altäufen.
Die formende Kraft des Wassers und die im Jahresverlauf sehr unterschiedlichen Wasserstände schaffen damit ein vielfältiges Nebeneinander trockenheißer und feuchtkühler Lebensräume.
Auf engstem Raum findet sich im naturnahen Flussauen Trockenheißes neben Feuchtkühlem: Bei so viel Abwechslung findet sich hier auch eine enorme Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt.
Tafel 6: Von der Urlandschaft zur Kulturlandschaft
Die Flusslandschaft der Steveraue hat sich im Verlauf der Jahrhunderte durch menschliches Wirken stark gewandelt!
Vor allem im Mittelalter haben die Bauern die früher beinahe flächendeckenden Wälder beseitigt, um das Land intensiv für die Landwirtschaft nutzen zu können.
Besonders deutlich wird dies bei einem Vergleich zwischen dem früheren und dem heutigen Flussufer der Stever. Von Natur aus würde der Fluss hier in großen Schleifen durch die Aue pendeln und dabei sein Flussbett immer wieder verlagern.
Aus diesem einst sehr flachen und unterschiedlich breiten Fluss ist in den 60er Jahren in der Olfener Steveraue ein stark begradigter, an den Ufern befestigter Fluss mit beinahe einheitlicher Breite und Tiefe sowie einheitlichen Uferböschungen geworden.
Der Flusslauf der Stever war im Jahre 1892 zwischen Alter Fahrt und Füchtelner Mühle noch 3.600 m lang. Durch weitere Flussbegradigungen und Ausbaumaßnahmen ist er hier bis heute nochmals um 500 auf 3.100 Länge verkürzt worden.
Die Folge der Flussbegradigungen ist:
- das Wasser fließt schneller ab
- der Fluss gräbt sich immer tiefer in das Gelände ein
- die Aue wird immer seltener überflutet
- durch gesunkene Grundwasserstände wird die Aue insgesamt trockener.
Ein Vorteil für die Landwirtschaft. Das Land konnte intensiver genutzt werden. Milchviehhaltung und der Anbau von Ackerfrüchten brachte höhere Erträge.
Ein Nachteil für die Auenlandschaft. Der Flussausbau und die Intensivlandwirtschaft haben
- zur deutlichen Verschlechterung der Wasserqualität
- zur Verschärfung von Hochwassergefahren und
- zum Verschwinden zahlloser, für eine Flussaue typischer Tier- und Pflanzenarten geführt.
Tafel 7: Die Stever - ein Baustein europäischen Naturschutzes
NATURA 2000 - Unter diesem Begriff wurde in den letzten Jahren europaweit ein Netz von Schutzgebieten geschaffen, das für den dauerhaften Erhalt der biologischen Vielfalt in Eurpa sorgen soll!
Es handelt sich dabei um europäische Vogelschutzgebiete oder so genannte FFH - Gebiete (F für Fauna = Tierwelt; F für Flora = Pflanzenwelt; H für Habitat = Lebensraum)
In diesen Gebieten sollen ganz bestimmte Tier- und Pflanzenarten oder bestimmte Lebensräume (z.B. Auenwälder, Bäche und Flüsse mit darin lebenden Wasserpflanzen, artenreiche Wiesen oder Uferstaudenfluren) streng geschützt werden.
Auch die Stever zwischen "Alter Fahrt" und 300 m unterhalb der Füchtelner Mühle wurde vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium als FFH-Gebiet gemeldet. Der Grund für diese Meldung als FFH-Gebiet liegt darin, dass in diesem Abschnitt drei Fischarten leben, die von euorpäischem Interesse sind und hier vor Ort geschützt werden sollen:
- Der Steinbeißer
- die Groppe (Foto links) und
- das Bachneunauge
In den FFH-Gebieten dürfen keine Maßnahmen erfolgen, die der Art schaden können. Die seitens der Stadt Olfen durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen, z.B. die Gestaltung naturnaher Uferzonen, werden sich auch auf die Fischarten positiv auswirken.
Der Biber kommt in der Stever nicht mehr vor. In den letzten Jahrhunderten haben diesem euopaweit geschützten Auenbewohner die Jagd, Fluss- und Bachausbau sowie der zunehmende Straßenverkehr die Überlebenschancen genommen. Vielleicht kehrt auch er irgendwann in die Steveraue zurück.
Die Gebänderte Prachtlibelle lebt an langsam fließenden Bächen und Flüssen. Die im Wasser lebenden Larven der Libelle leben an den Wurzeln der Uferpflanzen und in Wasserpflanzenbeständen, wo sie kleinste Wassertiere jagen. Die Larven verlassen das Wasser im Frühsommer. Die aus der Larvenhaut geschlüpften ausgewachsene Libelle ist dann über dem Wasser der Stever und in der Ufervegetation im flatternden Flug zu beobachten.
Tafel 8: Wasserkraftnutzung mit der Füchtelner Mühle
Seit 700 Jahren haucht das Steverwasser der Füchtelner Mühle leben ein!
Von Fürstbischof Otto III, Graf von Rietberg, zwischen 1301 und 1306 erbaut, wurde die Mühle durch Hochwasserschäden mehrfach unbrauchbar. Die einst als getrennte Öl- und Kornmühle genutzten Gebäude wurden in den Jahren 1727/1728 und dann wieder 1869 Instand gesetzt.
1972/1973 wurde die Mühlenanlage erstmals nach deren Stilllegung durch den Altkreis
Lüdinghausen saniert und damit vor dem drohenden Verfall gerettet.
Die gesamte Anlage mit den Gebäuden, Wegverbindungen, der alten Furt (Flussübergang), de Mühlendurchstich als Mühlstau, dem ehemaligen Hauptlauf der Stever und die dazwischen liegende Insel gelten als Kulturgut mit überregionaler Bedeutung. Heute ist die Mühle mit ihren denkmalgeschützten Gebäuden in Privatbesitz und wird zur Wasserkraftnutzung eingesetzt: Bis zu maximal 6 m2 Steverwasser können pro Sekunde zur Stromerzeugung durch Turbinen geleitet werden.
Damit kann die Wasserkraftanlage der Füchtelner Mühle ohne Produktion schädlicher Abgase durchschnittlich 130 Haushalte mit einer vierköpfigen Familie mit Strom versorgen. Eine Form der regenerativen Energiegewinnung, die aber den Lebensraum Stever erheblich belastet. So können beispielsweise Fische und im Wasser lebende Kleintiere auf der für sie notwendigen Wanderung im Fluss die Füchtelner Mühle nicht mehr passieren. Der Fluss ist durch das Bauwerk nicht mehr durchgängig.
Damit die Sackgasse "Füchtelner Mühle" für im Wasser lebende Tiere aufgehoben werden kann, soll die Mühlenanlage im Rahmen der Steverauenentwicklung eine sogenannte Umgehungsrinne (Umflut) erhalten. Dieser kleine, naturnah gestaltete Wasserlauf soll den Flussabschnitt oberhalb der Mühle mit dem unterhalb gelegenen Steverabschnitt verbinden.
Das für eine solche Umgehung notwenige Wasser schmälert zunächst die Leistungsstärke der Wasserkraftanlage und damit die Erträge des Betreibers. Dieser ökonomische Verlust wird aber durch eine gesetzlich festgelegte höhere Bezahlung für den eingespeisten Strom weitgehend ausgeglichen. Der Mehrpreis wird für die Verbesserung des ökologischen Zustands bezahlt. So lassen sich Ökologie und Ökonomie weitgehend vereinbaren!


























