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Erfolgreiche Kooperation
Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Einzugsgebiet der Stevertalsperre soll 2017 verlängert werden

"Seit fast 30 Jahren leben wir im Stevereinzugsgebiet; eine Kooperation zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft, die Früchte trägt: Stetig sauberes Wasser und zufriedene Kooperationspartner, die kontinuierlich im Dialog sind", so Marianne Lammers von der Landwirtschaftskammer NRW, Leiterin der Bezirksstelle für Agrarstruktur in Coesfeld.

Sie ist mit weiteren Kolleginnen und Kollegen als langjährige Beraterin für diese Kooperation und deren Mitglieder tätig und stellte die gemeinsame Arbeit dem Olfener Bau- und Umweltausschuss vor.

Oberflächliche Abtragungen vermeiden

Freiwilligkeit beim vorbeugenden Gewässerschutz ist dabei das Hauptstichwort. Das Stevereinzugsgebiet umfasst 55.974 ha landwirtschaftliche Fläche, die von insgesamt 2.033 Landwirten bewirtschaftet wird. 784 Landwirte, die 69 Prozent der gesamten Fläche im Wasserschutzgebiet bewirtschaften, gehören der Kooperation an. Sie arbeiten bereits seit 1989 gemeinsam mit den ansässigen Wasserwerken Dülmen, Coesfeld, Nottuln und Gelsenwasser und der Landwirtschaftskammer daran, die sehr gute Wasserqualität nicht nur zu erhalten, sondern sie weiter zu verbessern. Dabei gibt es rund um die Stever eine Besonderheit zu beachten: "In vielen Gebieten erfolgt die Wassergewinnung ausschließlich über Grundwasser. Im Stevereinzugsgebiet gehört auch das Oberflächenwasser dazu. Deshalb ist es für alle Beteiligten besonders wichtig, oberflächliche Abtragungen, wo immer es geht, zu vermeiden und alle Stoffe, die bei Abtragungen in den Wasserkreislauf gelangen können, inhaltlich und in der Menge zu minimieren", erläutert Marianne Lammers.

 

Großer Maßnahmenkatalog

Und hierzu gibt es einen großen Maßnahmenkatalog, der an ein Analytikprogramm, regelmäßigen Kontrollen und Boden- sowie Wassermessungen gekoppelt ist und ständig aktualisiert wird. Freiwillige sogenannte Nmin-Untersuchungen (Ermittlung des Düngebedarfs), eine individuelle Düngeberatung bzgl. Menge und Ausbringungsmodus gehören zu den Maßnahmen, die zu einer effektiven Ausnutzung der Gülle und zur Senkung von Mineraldünger führen sollen.

"Maßnahmen, die gut für Umwelt und Wasser sind, aber manchmal den Bürger auch nerven können, denn um gezielter zu düngen, wird dann weniger, aber dafür öfter gedüngt. Eine Verlagerung der Gülledüngung vom Herbst ins Frühjahr ist umweltschonend. Und dann kann es auch passieren, dass aufgrund der schönen Wetterlage sonn- und feiertags Gerüche entstehen", sagte Marianne Lammers. Aber auch die Landwirte in Wasserschutzgebieten nehmen Nachteile ihres Standortes hin. "Es gibt Pflanzenschutz-Wirkstoffe, die wir hier nicht nutzen wollen und durch andere meist teurere Mittel ersetzen müssen. Auch eine gezieltere Düngung oder das Reinigen von Arbeitsgeräten auf Waschplätzen erfordern mehr Zeit- und Arbeitsaufwand", so Marianne Lammers.

 

Landwirte unterstützen

Förderprogramme für Landwirte bringen hier an einigen Stellen Ausgleich. So hat die Gelsenwasser AG seit 2001 ein Sonder-Förderprogramm zum Schutz des Oberflächenwassers vor Pflanzenschutzmitteleinträgen eingerichtet. Es unterstützt die Landwirte z.B. bei der Abschaffung von spezieller Düsentechnik, beim Kauf von Innenreinigungstechnik der Spritzen, oder bei der Einrichtung von Waschplätzen für Feldspritzen auf den Höfen. Dies unter der Zielvorgabe und Bedingung, dass Gelsenwasser zur Bindung von ins Wasser geratenen Pflanzenschutzmitteln weniger als 100 t Aktivkohle jährlich benötigt.

Der Erfolg gibt der Wasserkooperation Recht: Das Stevereinzugsgebiet hat kein Nitrat-Problem. Die Nitratbelastung stagniert seit Jahren bzw. ist sogar abnehmend. "Und das bei einem Wert, der weit unter dem gesetzlichen Grenzwert von 50mg/Liter liegt. Das kann sich sehen lassen", so Marianne Lammers.

 

Beratungscheck als Entscheidungshilfe

Doch es gibt weiterhin einiges zu tun. Die Starkregenereignisse in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass weitergehende Maßnahmen notwendig sind. Für die in 2017 zu verlängernde Wasserkooperation bedeutet das zusätzliche Aufgabenfelder: Dazu gehört u.a. die Einrichtung breiterer Uferrandstreifen, der Anbau von möglichst viel Zwischenfrüchten gepaart mit einem gezielten Wirkstoff-Management. "Denn ein Abschwemmen der Bodenteilchen soll verhindert werden. Nicht bewachsene, ausgetrocknete oder verdichtete Böden geben dem Wasser mehr Möglichkeiten für eine Bodenabtragung. Durch einen optimierten Zwischenfruchtanbau wird die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verbessert", so Marianne Lammers. Außerdem soll in Wasserschutzgebieten ein Beratungscheck als Entscheidungshilfe für Landwirte angeboten werden, die prüfen wollen, ob eine Umstellung auf Ökolandwirtschaft möglich ist.

"Wir werden gemeinsam stetig und ganz gezielt weiter daran arbeiten, das Trinkwasser sauber zu halten. Dazu gehören Verhandlungen, Vermittlungen, viel Diplomatie, zahlreiche Gespräche mit den Landwirten, der Wasserwirtschaft und auch den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln. Und alles unter dem Tenor "Freiwillig, verlässlich und einfach umsetzbar".

Der Olfener Bau- und Umweltausschuss wird sich mit dem Thema weiter befassen.