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Fußball-Fantreffen in Olfen
Wenn zusammenwächst, was nicht zusammen gehört

"Na ja. Getröstet wird natürlich nicht. Aber ein bisschen Mitleid können wir manchmal haben". Lautes Lachen in der geschäftigen Olfener Kneipe "De Poat" und freundschaftliche Seitenknuffer in die Hüften der Sitznachbarn. In Zeiten, wo Gewalt unter rivalisierenden Fußballfans nicht mehr die Ausnahme ist, kommt dem Betrachter der Anblick beim Betreten der Olfener Fankneipe fast schon seltsam vor: Gleich vier der fünf Fußball-Fanclubs haben in der Traditionskneipe ihre Wimpel und Fahnen einträchtig nebeneinander aufgehängt.

"Wir leben Fußball so, wie der DFB es sich wünscht"
 

"Hat sich irgendwie so ergeben. Und es macht wirklich Spaß, die Leidenschaft für Fußball gemeinsam auszuleben. Mit gesundem Konkurrenzgehabe. Versteht sich", sind sich die Vorstandsmitglieder aller Clubs einig. Die Namen der Clubs sind dabei genauso fantasiereich wie der für alle Mitglieder zwingend gewünschte Bezug zu der Kleinstadt Olfen, die mit knapp 13.000 Einwohnern schon oft beispielhafte Projekte verwirklicht hat.

Die "Stever-Knappen Olfen" (Schalke), die Schwarz-Gelbe-Garde Olfen (Dortmund), der EffZeh Fanclub (Köln), Bayern Power Olfen und die Olfohlen (Mönchengladbach) vereinen insgesamt über 700 Mitglieder, für die König Fußball aus ihrem Leben nicht wegzudenken ist. Oberste Priorität hat dabei der Spaß am Spiel und der Spaß an gemeinschaftlichen Erlebnissen. Das in dieser Form zu erleben war auch für den Kölner Dieter Greuel Neuland, der nach Olfen zugezogen einen Fanclub für den 1. FC gegründet hat und als bisher letzter der Fünfer-Runde der Fanclubs mit den bisher 17 Mitgliedern in die Gemeinschaft aufgenommen wurde. "Ein ganz neues Fan-Gefühl", bringt Greuel es auf den Punkt.

Für ihn und alle Besucher deutlich spürbar: Zwischen den Fans verschiedener Couleur stimmt die Chemie und der Tatendrang. An diesem Tag gehts deshalb wie oft in der Fankneipe nicht nur um Ergebnisse und die nächste spannende Fußballbegegnung, sondern um die Planung gemeinsamer Aktivitäten des laufenden Jahres. Immer dabei Kneipenwirt Franz Frye, der mit seiner Frau Silke alle Vereine tatkräftig unterstützt wann immer es geht. "Es ist schön zu sehen, dass in diesem Haus der Fußball bunt, vielfältig, kameradschaftlich und leidenschaftlich gelebt wird. Und das oft mit der ganzen Familie".

Bundesliga-Triathlon

Was die große Gemeinschaft der Fanclubs so alles vor und nach den Spielen gemeinsam plant, zeigt ein Blick auf den Terminkalender, der Interessantes und auch Erstaunliches zu Tage fördert. Unter dem Titel "Bundesliga-Triathlon" findet z. B. seit vier Jahren ein Mannschaftswettbewerb im Dart, Kickern und Knobeln statt. Zwölf Mitglieder aus jedem Fanclub und eine Mannschaft vom örtlichen Fußballverein "SUS-Olfen" sorgen einen Tag lang für Spaß für Fans und Familien. Eine andere Aktion mit ebenso viel Spaß für alle: Das alljährliche Sommerfest vor den Toren der Stammkneipe, ein großes Sommerfest, das bereits vor Jahren von den Schalke-Fans gestartet und mittlerweile von allen Fanclubs gemeinsam ausgerichtet wird.

Und wie es sich im münsterländischen Olfen gehört, helfen sich die Vereine - egal welcher Gesinnung - gegenseitig. "Der DRK-Ortsverein hat uns vor einigen Jahren um Unterstützung in Sachen Blutspende gebeten. 150 Fußballfans haben sich daraufhin mit Schals und Engagement unter die Nadeln begeben", erzählen die Vorstandsmitglieder. Und bis heute ist der gemeinsame Gang zur Blutspende aus den Reihen der Fußballfanclubs Ehrensache."Die Leidenschaft zum Fußball verbindet uns, bietet uns nicht endende Gesprächsthemen und immer einen Grund, sich gegenseitig zu necken", sind die Fußballfans sich einig.

Da sind auch die höchsten Amtsträger der Kleinstadt nicht außen vor: "Hier bin ich nicht der Bürgermeister, sondern der Bayern-Fan, der mit allen gemeinsam Spaß am Fußball und an der Geselligkeit hat. Und diese Gemeinschaft erleben meine Frau und ich schon seit vielen Jahren und finden sie einfach toll. Rivalität, Aggressionen und Feindschaften braucht hier kein Mensch", so Wilhelm Sendermann. Er gehörte auch schon lange vor Amtsantritt zur großen Familie der Fanclubs und fühlt sich genauso wie alle Olfener Fans in dem bestens funktionierenden Miteinander darin bestätigt, dass Fußball ohne Gewalt und Fanatismus das ist, was es sein sollte: Ein Freizeitspaß für Groß und Klein. "Und dass das in Olfen so bleibt, dafür werden wir alle gemeinsam sorgen".