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Coronavirus: Stellungnahme des Bürgermeisters
23. März 2020

Lesen Sie hier die Stellungnahme.

Liebe Olfenerinnen und Olfener,


das Corona-Virus hat uns alle voll im Griff. Unser Leben wurde weitestgehend eingeschränkt. Viel mehr als Einkaufen gehen dürfen wir nicht. Ab heute gelten weitere Einschränkungen, die gestern zwischen Bund und den Ländern verabredet wurden.

 

Die Zahlen aus anderen Ländern erschrecken mich. Bis gestern starben in Italien fast 5.500 Menschen. Wir fühlen mit den Menschen in Italien und müssen und werden ihnen helfen. Dagegen läuft die Pandemie bei uns noch fast glimpflich ab. Aber auch unsere Zahl der Infizierten und Todesfälle sollen in den nächsten Tagen drastisch steigen. Dann wird die Heimtücke der Krankheit für jeden sichtbar.
Es hat leider Tage gedauert, bis wir das verstanden und unser öffentliches Leben zurückgefahren haben. Am Samstagnachmittag hatte ich mich selbst davon überzeugt. Die Innenstadt war leer, auch auf den Spielplätzen und der Skateranlage waren keine Menschen mehr. Die Allgemeinverfügung, die ich Donnerstagnachmittag unterschrieben hatte, wird hier in Olfen beachtet. Muss sie zum Schutz der alten und kranken Mitbürger auch, wir werden das weiter kontrollieren.

 

Was mich ärgert, waren die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei uns in Deutschland. Unsere Bundeskanzlerin sagt uns, wie sie sich mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer abgestimmt hat und was wir tun müssen. Jeder setzte es wieder etwas anders um. Wir haben uns am Donnerstag um 15.00 Uhr im Münsterland mit den Landräten und Bürgermeistern auf die Einschränkungen für unsere Menschen geeinigt. Um 16.00 Uhr habe ich die Allgemeinverfügung für Olfen erlassen. Aber diese Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse dauern bei uns in Deutschland einfach zu lange. Hier geht es um Leben und Tod, um Stunden und Tage, da geht es nicht darum, wer es noch etwas anders oder besser weiß. Die Verantwortlichen haben gestern gelernt. Eine Rechtsverordnung ist ab heute in Kraft. Endlich muss nicht jede Kommune in Nordrhein-Westfalen das interpretieren und die richtige Lösung für sich finden. So stelle ich mir Krisenmanagement vor. Heute noch werden wir die Supermärkte kontrollieren, dass sie alles für den Schutz der Menschen tun. Auch wenn es nicht sofort jeder verstehen will. Das setze ich zu Ihrem Schutz konsequent um, das ist meine Verpflichtung.

 

Meine Damen und Herren, halten Sie Abstand und Distanz, das ist im Moment das einzige Mittel gegen das Virus, was wir haben. Nutzen Sie Mail, WhatsApp oder das Telefon zum Kontakt zur Familie, zu Freunden und Bekannten. Seien Sie diszipliniert! Ich möchte mit Ihnen Todeszahlen wie in Italien verhindern. Ich weiß, ich verlange damit viel von Ihnen.

 

Helfen Sie mit, die Epidemie einzudämmen. Helfen Sie mit, Leben zu retten. Junge Leute können sich jetzt vor Augen führen, dass es im Zweifelsfall der eigene Opa, die eigene Oma ist, die von der Epidemie betroffen sein kann, und dass es vom eigenen Verhalten abhängt, ob das passiert. Die Welt ist jetzt eine Schicksalsgemeinschaft. Der alte Spruch: „Was interessiert es mich, ob in China ein Sack Reis umfällt.“, gilt nicht mehr. Wir haben gesehen, wie schnell das Virus aus China hier war.

 

Und denken Sie auch an Ihre Mitbürger. Wir brauchen keinen Streit im Supermarkt um Toilettenpapier oder Konservendosen. Diese Dinge sind ausreichend da.

 

Meine Damen und Herren, ich habe mich in den letzten Tagen sehr über das ehrenamtliche Engagement gefreut. Es gibt Menschen, die Ihnen helfen wollen, wenn Sie die Einkäufe nicht mehr schaffen, Medikamente aus der Apotheke holen müssen oder jetzt Angst haben, mit Ihrem Hund spazieren zu gehen. Melden Sie sich beispielsweise beim Verein MiO - Miteinander in Olfen oder hier bei der Stadtverwaltung. Das ist ein Gemeinsinn, den ich aus unserer Stadt kenne und der mich stolz macht.

 

Das Leben wird langweiliger, keine Frage. Aber kochen Sie beispielsweise mit Ihren Kindern gemeinsam Spaghetti, erklären und zeigen Sie den Kleinen, wie eine Waschmaschine funktioniert und bringen Sie ihnen das bei oder - die meisten haben ja jetzt viel Mehl gekauft - backen Sie zusammen ein Brot oder einen Kuchen. Vielleicht ist diese Zeit für unsere Familien mal gut, auch wenn es im Moment langweilig aussieht.

 

Ich hoffe und setzte darauf, dass wir auch diese Krise schaffen werden. Ich danke Ihnen für den persönlichen Einsatz. Ich wünsche allen Kranken, dass Sie wieder gesund werden. Und: Halten wir zusammen!